Liebes Tagebuch

Heute hat mein Papa mich Klavier spielen gehört und hat beschlossen, dass ich als verfrühtes Weihnachtsgeschenk ein Keyboard oder Stagepiano bekomme *.* Damit ich daheim auch spielen und singen kann. Ich habe mich selten so gefreut. Jetzt gehe ich Stagepiano aussuchen =)

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und entspannt zurück in den Tag

Klassische Musik ist gut für die Gesundheit. Bestimmt ist das irgendwo klinisch bewiesen, aber das habe ich hier bisher nicht getan. Lediglich ein paar sehr aufopferungsvolle Selbstversuche (keine Angst, liebe Tier- und Menschenschützer, ich habe dem zugestimmt und mich sehr großzügig für meine Risiken und entstehende Kosten bezahlt.) durchgeführt anhand dessen ich zu meinem Ergebnis bekommen bin.

20 Minuten am Tag ohne „krasse beats“, ohne house, charts, hiphop, funk, ja sogar ganz ohne Text. Reine Klavierstücke oder ganze Orchester, Streichquartette und einmal sogar ein Blasorchester (das aber ganz schnell auf stumm geschaltet wurde) ertönten in meinen 20qm. Gut, zwischendrin das genervte Klopfen an die Wand von meinem Zimmernachbarn, der meinen normalen Musikgeschmack scheinbar mehr zu würdigen weiß, aber meistens war dies zumindest mit etwas Fantasie halbwegs mit dem Takt der gehörten Musik vereinbar.

In diesen 20 Minuten habe ich mich dann auch mal komplett der Musik gewidmet. (Facebook chat zählt nicht!) Ich habe mich in meine Hängematte oder auf die Couch gelegt (je nach Wetter), oder wenn ich mal wirklich keine Zeit hatte habe ich mich nebenher geschminkt und fertig gemacht oder die Wohnung aufgeräumt oder gelernt. Aber ich habe etwas sinnvolles getan, oder die Zeit ganz mir gewidmet.

Uiuiui, ich bin zum Baumknutscher geworden. Ich bin ganz wouzzzza und total sanft und liebenswert, kann alle Bedürfnisse anderer Menschen verstehen, gehe abends um 10 ins Bett und wache morgens um 9 ohne Wecker auf. Okay, ich gebe zu, ich bin einfach spießig und Hippie gleichzeitig geworden. Aber wow, ich fühle mich toll dabei. Und ich habe ein tolles Hautbild! Und ich kann auf einmal offen über meine Probleme und Gefühle reden. Mein Selbstbewusstsein ist wieder aufgebaut. Und ich kann endlich fliegen. Achja, japanisch, chinesisch und afrikaans kann ich jetzt auch. Und das alles nur dank klassischer Musik. DANKE!

 

(diese Geschichte basiert auf einer wahren Geschichte, ledigilich ausgeschmückt mit einigen Stilmitteln. Liebe Kinder: bitte versucht das AUF JEDEN FALL zu Hause nachzumachen. (abgesehen von dem Teil mit dem Fliegen, fragt da bitte eure Eltern und schreibt dann regelmäßig Post nach Hause und zu mir.) )

10 Dinge…. (*1/2)

… Die mich heute zum lächeln gebracht haben…

1.) EIN JUNGE, DER MIT IPOD IM OHR SINGEND DURCH DIE STRAßE GELAUFEN IST
Vielleicht haben viele Menschen sich gedacht: der hat ja ne Macke. Oder sie haben einfach nur den Kopf geschüttelt. Aber mich hat er zum Lächeln gebracht.

2.) EIN ALTES FOTO
Aus Schulzeiten. Mittelstufe. Ein Teil meiner damals liebsten Freunde grinsten mich auf einmal wieder aus kindlichen Augen an.

3.) EINE GANZ GUT GELAUFENE KLAUSUR

4.) EINE NETTE VERKÄUFERIN
im Buchhandel, die mir lieb ein Buch rausgesucht hat, es mir sogar ausgepackt hat, damit ich mal reingucken kann, sich Zeit genommen hat, mich zu beraten und mir am Ende noch eine schöne Stofftasche mitgegeben hat, damit ich die Bücher besser tragen kann.

5.)  MINDESTENS 5 MENSCHEN HABEN MICH HEUTE AUF DER STRAßE NETT GEGRÜßT UND SICH KURZ MIT MIR UNTERHALTEN
Das Wetter scheint Auswirkungen zu haben :)

Frankfurter Straßenbahn

Sie saß in der Straßenbahn und beobachtete die Menschen um sich herum. Wie sie alle griesgrämig in eine Richtung starrten, um jeden Preis vermeidend, einem anderen in die Augen schauen zu müssen. Immer darauf bedacht, gerade höflich genug zu sein um nicht als unhöflich angesehen zu werden, aber auch nicht so höflich, dass man dabei positiv auffällt, schließlich würden die anderen Fahrgäste einen dann ja doch wieder wahrnehmen. In der grauen Masse untergehen, das ist es, was sie wollen.
Ein paar Sitzplätze von mir weg sitzt ein schönes Mädchen. Ihre blonden Haare mit denen sie gedankenverloren spielt stechen aus der Masse raus. Fasziniert sehe ich ihr zu, um bereits nach ein paar Sekunden einen strafenden Blick dafür zu bekommen. Seitdem guckt sie ständig total verunsichert zu mir rüber, ob ich sie wieder ansehe. Blickkontakt wird ums äußerste vermieden, nicht mal ein Lächeln von meiner Seite scheint sie zu beruhigen. Nun gut, ich gebe mich geschlagen und schaue mich weiter im Wagon um.  Unterhalten tun sich die wenigsten, die meisten hören Musik, viele mit ganz dicken Kopfhörern um der Welt zu zeigen: Versuch ruhig mit mir zu reden, ich höre dich nicht. Aber nicht mal in ihrer eigenen Welt scheinen sie sich wohl zu fühlen. Ich glaube, ich möchte nicht einmal wissen, mit welchem Leid diese Menschen sich in ihren Gedanken gerade konfrontieren, so traurig und schlecht gelaunt wie alle gucken. Dabei werden um diese Uhrzeit die meisten Menschen auf dem Weg von der Arbeit nach Hause sein und ich weiß nicht warum, aber irgendetwas in mir zweifelt doch stark an, dass sie eben deshalb traurig sind, weil sie für heute fertig mit arbeiten sind.
Sie sah sich verwundert um. Wie konnte denn ein ganzer Wagon voll Menschen, ja scheinbar die ganze Stadt, so schlecht gelaunt sein? Es hatte soweit sie wusste keinen Anschlag gegeben, sie befanden sich nicht im Krieg, nichts was eine Massendepression hätte begründen können. Jeder schien mit seinem eigenen Päckchen schon heillos überfordert zu sein, jeder  hatte wohl die Last der ganzen Menschheit zu tragen.
Was mich wundert: sie meiden gerade jeglichen Kontakt zu anderen Menschen. Sie WOLLEN einen Moment abschalten, für sich sein, zur Ruhe kommen und entspannen. Zumindest hatte ich mir das immer eingebildet. Jeder beschwert sich, dass er zu wenig Zeit für sich hat und zu wenig Zeit um über wirklich wichtiges nachzudenken. Wenn sie sich also schon vor allem anderen abschotten, wieso nutzen sie diese Zeit dann nicht?
Sie seufzte.
Jetzt fange ich ja selbst schon an, Trübsal zu blasen. Also widme ich meinen Blick statt den Fahrgästen lieber der Natur außerhalb es Wagons. Ja, es regnet gerade in Strömen und von sommerlich-blauem Himmel hat man diesen Sommer auch noch nicht viel gesehen. Aber sieht denn niemand, dass die Natur immer fantastische Schauspiele bietet? Natürlich ist Wärme und Sonne schön. Aber sieht denn niemand, dass der Himmel nicht eintönig grau ist sondern vor Farben und Schattierungen nur so sprüht? Farben, die man fühlen kann, Lichtspiele die in der Nase kitzeln. Die Welt um uns herum gibt sich jeden Tag aufs neue alle Mühe um uns zu überraschen, um uns aufzuwecken, um uns davon zu überzeugen, dass wir, ja genau wir das größte vorstellbare Glück haben um auf eben dieser Erde leben zu dürfen. Um uns täglich aufs neue überraschen zu lassen, zu fühlen, wie andere Menschen sich fühlen, zu sehen, was der Himmel sieht, zu riechen, was die Vögel riechen und zu hören, was der Wind hört, wenn er durch die Bäume rauscht.

Und so saß sie in der U-Bahn, alleine, die Musik eingestöpselt und sich abgeschottet von den anderen Menschen, insgeheim hoffend, dass niemand sie beachtete, höflich genug um nicht negativ aufzufallen aber eben gerade noch nicht wahrgenommen zu werden. So saß sie da und versank in ihrer eigenen Welt. So saß sie da, und ein strahlendes Lächeln umspielte ihre Lippen.