remember me

Erinnerungen verfolgen uns.

 

Ich werfe diese Aussage in den Raum und enrte verwirrte Blicke. Ehrlich gesagt hatte ich auch nichts anderes erwartet und ich habe gelernt, stolz auf das versteckte „jetzt spinnt sie wieder“ in den Gesichtern anderer Menschen zu sein, weil es mir das Gefühl gibt, jemand zu sein.

Aber anders als wenn ich sagen würde „Brot kann man nicht einfrieren“ (ein sehr geschickter und lustiger „unangenehme-Stille-durchbrecher“ den ich von meinem Chef gelernt habe) bleibt es bei den Blicken. Niemand scheint wirklich zu verstehen worauf ich hinaus will. Schade.

Erinnerungen verfolgen. Dass das so ist, ist jedem klar, denke ich. Denn allein die Tatsache, dass man sich an etwas erinnert beeinflusst unser weiteres Leben. Ansonsten würden wir wohl wie Fliegen alle 2 Sekunden wieder gegen die selbe Fensterscheibe fliegen, statt nach dem ersten mal ans Bügeleisen greifen zu verstehen: Das möchte ich nicht noch einmal tun. Die Erinnerung an den Schmerz des einen Mals bringt uns dazu, doch lieber nur an den Griff zu fassen und so überlassen wir den Metallteil selbstlos dem Hemd.

Aber verfolgen hat so einen negativen Beigeschmack, dabei ist es doch positiv, das wir lernen?

Ja, der Lernprozess ist natürlich positiv, aber was es schwieriger macht ist, dass man sich auch nur schwer losreißen kann und Erfahrungen außer Acht lassen kann. [Ich habe mich früher über Menschen geärgert, die mir ihre Erfahrungen aufdrücken wollten obwohl ich sie zu meiner Situation unpassen fand und bis heute finde. Aber ich kann heute zumindest verstehen, was in einem vorgeht und dass man es in so Momenten wirklich ernst meint.] Denn wenn man einmal eine negative Erfahrung gemacht hat ist diese meist viel tiefer verwurzelt als eine positive. Wie in Fluch der Karibik: „Eine gute Tat reicht nicht um einen Mann frei zu sprechen“-„Aber eine schlechte um ihn zu verurteilen?“. Es scheint zu sein wie unser Gehirn funktioniert. Erfahrungen werden unterschiedlich stark gewertet, je nachdem welche Gefühle sie in uns ausgelöst haben. Nur manchmal, glaube ich, steht man sich so selbst im Weg.

Nicht hinter sich lassen können. Ich glaube das ist etwas, das mich definiert. Ich kann nicht loslassen. Egal um was es geht. Meine Schränke sind voll von Fotoalben, Tagebüchern, Notizen… Als mein früherer Windows Live Space gelöscht wurde bin ich in Tränen ausgebrochen. Meine größte Versuchung ist es, zu alten Freunden den Kontakt wieder aufzunehmen, manchmal auch zu jenen, die mir bewiesen haben, dass sie es nicht wert sind. Ich fahre Umwege nur um an Orten vorbei zu kommen, an die ich Erinnerungen habe. Hier geht es nicht um vergangene Liebesgeschichten, hier geht es um die Vergangenheit im Allgemeinen….

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3 Kommentare zu „remember me“

  1. Ich hatte zwar schon mal auf diesen Beitrag einen Kommentar geschrieben – aber ich war nicht angemeldet und scheinbar ist während des Anmeldezeremoniells was schief gegangen – sei’s drum. Ich versuche mal aus dem Gedächtnis den wieder zusammen zu kriegen..

    Zuerst mal: Ja. So funktioniert das lernen. Wir lernen eigentlich besser aus schlechten Erfahrungen als aus Guten. Das liegt vielleicht daran, dass wir aufgrund der Evolution versuchen, Fehler (die eventuell lebensgefährlich sind) nicht zweimal zu begehen – was uns dazu zwingt uns mit der Ursache auseinanderzusetzen und zu reflektieren – während wir Erfolgserlebnisse und schöne Dinge zwar dankend annehmen und uns auch freuen; sie aber meiner Meinung nach nicht unbedingt dazu führen so viel darüber nachzudenken, wie über einen Misserfolg (oder einen verbrannten Finger vom Bügeleisen).

    Wenn man „Erinnerungen“ durch das Wort „Erfahrungen“ ersetzt – und das Wort „verfolgen“ durch „bleiben im Gedächtnis haften“, hört sich das ganze nicht mehr an, als wäre das negativ.

    Letzlich ist es das auch nicht. Es gehört einfach zum Mensch werden (und zur Charakterbildung dazu)..

    Das loslassen können gehört aber leider auch dazu. Ob es sich um Ding-Beziehungen dreht, Liebesgeschichten oder anderes – obwohl ich den Begriff loslassen können eigentlich nur aus dem Bereich verlorene Liebe kenne. Dort ist es auch notwendig – jeder neue Partner ist anders, hat man die vergangenen als Altlasten im Hinterkopf wird man den neuen Partner immer vergleichen, so etwas tut einer Beziehung nicht gut – vor allem, wenn der Partner spürt, dass immer noch ein oder mehrere Ex durch den Kopf des anderen spuken.

    Inwiefern ich selber „nicht loslassen“ kann – ab und zu versuche ich scheinbar meine Jugend wieder zu holen in dem ich mir Dinge kaufe, an die ich mich lieb erinnere – das können andere besser beurteilen. Vielleicht ist es der Versuch gedanklich eine zeitlang die gute alte (sorgenlose) Zeit wider fühlen zu können. Den Kontakt zu Exfreunden/innen zu suchen gehört sicher nicht dazu.

    Was mich wundert ist die Versuchung Kontakt mit Freunden aufzunehmen, die dich enttäuscht haben. Ich würde doch annehmen wollen, dass man genau um diese (wahrscheinlich falschen) Freunde aufgrund des Eingangs erwähnten Lernprozesses einen großen Bogen machen sollte, um nicht erneut enttäuscht zu werden. Es gibt doch genügend Menschen auf der Welt, die vielleicht bessere Freunde wären – warum also zurück gehen?
    Der folgende Satz sagt es vielleicht am besten: „Das Leben wird Vorwärts gelebt und rückwärts verstanden..“

    P.S. Brot kann man einfrieren

    LG P.

    1. definitiv kann man nur Brötchen einfrieren.
      Was ich ausdrücken wollte war, dass die positive Art des nicht loslassens das Lernen und die gewonnene Erfahrung sind. Mein Hirn funktioniert aber anders herum als das der meisten anderen Menschen. Im Nachhinein sehe ich nur noch das Positive und das Negative verschwindet nahezu ganz. Der perfekte Nostalgist. Enneagrammtyp 7 würde ich vermuten. =)
      negative Erfahrungen kommen in mir nur dann hoch, wenn ich sehe, wie andere einen „FEHLER“ den ich mal begangen habe auch machen. Dann möchte ich ihnen meine Erfahrung deutlich machen und will dass sie aus meinem Fehler lernen. Aber manche Erfahrungen muss man selber machen und manches was für mich falsch war kann bei anderen prima funktionieren. Und manche negative Erfahrungen machen einen scheu und ängstlich, oder überbesorgt. Und so sollte es nicht sein.

      1. Brot kann man DOCH einfrieren. Habe ich schon oft getan. Man sollte es aber am Besten vorher in Scheiben schneiden und nicht in der Mikrowelle auftauen. Besser über Nacht im Kühlschrank, denn in der Mikrowelle kann es schnell hart und trocken werden, wenn man nicht aufpasst.

        P.S. Was ich über dein Seelenleben denke, von wegen Erinnerungen und nicht loslassen können, weißt du ja vermutlich. Wir ticken da doch sehr ähnlich ;-)

        P.P.S. Eigentlich bin ich vorbeigekommen, weil ich im Reader über euren Familienzuwachs gestolpert bin; also muss ich da jetzt unbedingt mal schauen ^^

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