Vorurteil I – Bengalen eignen sich nicht für „Anfänger“

Du hattest noch nie eine Katze? Und dann willst du dir gleich etwas so wildes wie einen Bengalen holen?!? Ne, fang doch mal lieber mit einer BKH (Britisch Kurzhaar, die „Bärchen“ unter den Katzen) an!

So oder ähnlich reagieren die meisten „Katzenkenner“ wenn man sich als Katzenanfänger für einen Bengalen interessiert. Interessanterweise sind es aber die Menschen, die selbst noch nie einen Vertreter dieser Katze bei sich wohnen hatten, die am extremsten reagieren. Alle Züchter die ich gefragt haben waren da anderer Meinung. Gut, nun könnte man meinen, die wollen ihre Katzen ja auch einfach nur an den Mann bringen, aber dazu mehr wenn ich zu den Vorurteilen über Züchter komme. Glaubt mir als unschuldige und absolut nicht kommerziell interessierte Bengalkatzenbesitzerin: Dieses Vorurteil ist Unsinn. Jede Katzenrasse hat gewisse charakterliche Eigenschaften die typisch sind und so gilt die Bengalkatze als sehr anspruchsvoll, aber was genau ist denn damit eigentlich gemeint? Ein Perser muss täglich gebürstet werden, meine Bengalen hingegen habe ich bisher einmal gebürstet und das nur weil sie das Massagegefühl so lieben, nicht weil es notwendig war. Sind Perser darum anspruchsvoller als Bengalen? Sollte ich womöglich auf keinen Fall einen Perser nehmen, denn das ist für einen Anfänger viel zu schwierig? Nun, wer sich nicht zutraut, eine Bürste durch das Fell seiner Katze zu kriegen sollte vom Kauf dann tatsächlich abstand nehmen, aber seien wir mal ehrlich – ob man nun bereits Katzen hatte oder nicht, das schaffen die meisten Menschen gerade noch so.
Maine Coone Katzen werden unfassbar groß im Vergleich zu anderen Katzen. Sind sie deshalb weniger geeignet für Menschen ohne Erfahrung?
Alles Unsinn, keine Katzenrasse ist schwieriger als die andere, ich muss mir einfach nur vorher darüber im klaren sein, was diese Rasse mit sich bringt. Ich zum Beispiel hätte ein Problem damit, an jedem Kleidungsstück nicht nur meine eigenen Haare sondern auch noch die von meinen Katzen kleben zu haben. Eine große Katze dagegen finde ich toll. Hier also einmal die spezifischen Eigenarten der Bengalkatze, die man kennen und lieben sollte:

Bengalkatzen sind in allem ein bisschen mehr (Hund) als andere Katzen. So sind unsere Katzen so menschenbezogen wie ich es selten von anderen Katzen gehört habe. Wenn wir nicht daheim sind schlafen sie sogar hinter der Wohnungstür bis wir zurück kommen, sie sind fast immer in dem Raum in dem wir auch sind und haben an allem Teil, vom Schrank aufräumen bis hin zum Scherben aufsammeln, sie sind außer durch geschlossene Türen kaum davon ab zu halten dabei zu sein. Wer das nervig und anstrengend findet und nach einem langen Tag auf der Arbeit keine Tiere haben möchte die einen freudig begrüßen und Aufmerksamkeit einfordern, der ist bei dieser Rasse an der falschen Adresse und sollte trotz des tollen Fells abstand nehmen. Es gibt auch sehr schöne Kuscheltiere.
Bengis spielen gerne und viel. Wer sich nur eine Katze zulegen möchte sollte viiiiiiiel Zeit einplanen. Grundsätzlich bin ich aber sowieso dagegen, Katzen einzeln zu halten und zu zweit leben sie ihren Spieltrieb prima mit einander aus. Wer sich für eine schon erwachsene Katze entscheidet hat aber sowieso etwas weniger Probleme damit, denn dann ist der kindliche Spieltrieb schon etwas abgeflacht.
Bengalen sind redende Katzen. Sie miauen nicht nur vereinzelt wenn ihnen etwas nicht passt sondern singen auch mal genüsslich vor sich hin, schnattern mit den Vögeln um die Wette oder begrüßen dich mit einem freundlichen miauen wenn du nachts auf die Toilette gehst. Schließlich bist du nur raus gekommen um mit ihnen zu schmusen und zu spielen. Beim Spielen fangen sie auch gerne mal an zu knurren wie ein junger Hund und verbeissen sich im Spielzeug. Sehr kätzisch ;) Bengalen sind allerdings keine Schreihälse. Alles was sie erzählen passiert in normaler Raumlautstärke. Wir haben sehr dünne Wände aber unsere Nachbarn haben uns gestern erst ganz erstaunt gefragt seit wann wir denn eine Katze hätten als wir mit dem Katzenstreu heim kamen.
Wer diese Eigenschaften liebt wird mit Bengalen keine Probleme haben. Sie haben auch einige Vorteile gegenüber anderen Katzen. So lassen sie sich zum Beispiel sehr viel gefallen ohne sich schmerzhaft zu wehren. Wenn ihnen etwas nicht gefällt gehen sie einfach. Das spricht meiner MEinung nach eigentlich sehr für Anfängerkatzen, denn man läuft nicht Gefahr gekratzt zu werden nur weil man mal im falschen Moment oder an der falschen Stelle krault. Auch Besuchern gegenüber sind sie so – lassen sich bespaßen und kraulen, am Bauch, am Kopf, an den Pfoten… Es ist also eine tolle Katzenrasse für Menschen mit viel Besuch oder mit Kindern, Situationen in denen andere Rassen gestresst reagieren würden. Stressresistent sind sie sowieso, Bohrmaschine? Och, die Decke ist viel zu bequem um weg zu rennen. Tackerpistole? Oh, guck mal ne Fliege! Kind? Hmm, mal vorsichtig schnuppern… Bengalen sind einfach eine Mischung aus sanftem Hund und energetischer Katze.

Egal welche Rasse es werden soll, ein Gang zum Züchter (bei jedem guten Züchter kann man auch „einfach mal nur gucken“ kommen.) klärt meistens ob es die passende Rasse ist oder nicht. Ich bin glücklich geworden, auch als Katzenanfängerin.

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2 Kommentare zu „Vorurteil I – Bengalen eignen sich nicht für „Anfänger““

  1. Wer das nervig und anstrengend findet und nach einem langen Tag auf der Arbeit keine Tiere haben möchte die einen freudig begrüßen und Aufmerksamkeit einfordern, der ist bei dieser Rasse an der falschen Adresse und sollte trotz des tollen Fells abstand nehmen.

    Wer das nervig findet, sollte sich m.E. gar kein Haustier anschaffen, oder sich bestenfalls ein Aquarium zulegen ; )

    1. JA damit hast du vermutlich Recht, aber gerade KAtzen werden glaube ich häufig als arbeitsunintensive HAustiere angesehen. So von wegen: die gehen schon ihrer Wege, da hat man seine Ruhe. (Was dann der Sinn eines HAustieres sein soll sei mal dahingestellt)

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