„Ich war’s nicht“

Ich bin ja normalerweise nicht schnell genervt, aber eine Sache strengt mich momentan sehr an. In einem gewissen Teil meines Alltags, in dem ich eigentlich nur mit Menschen zusammenarbeite, die ich sehr mag und schätze, herrscht momentan eine Stimmung, die mir absolut gegen den Strich geht. Nennen wir sie „Ich war’s nicht!!“

Jeder fühlt sich schon gekränkt und persönlich angegriffen, bevor überhaupt ein Wort gesagt wurde. Es braucht nur zu heißen: wir müssen mal reden und jeder fängt schon an im Kopf durchzugehen: nein, das war ich nicht. Und falls ich es war, dann ging es nicht anders. Und falls es anders ging war aber noch mindestens ein anderer an dem Fehler beteiligt.

Ich verstehe diese Haltung nicht. Wenn jemand die Tür aufmacht und einem Team einfach nur an den Kopf wirft: Die Tür unten war nicht abschlossen, das geht garnicht, achtet da bitte drauf!, dann nicke ich doch verständnisvoll, mache im Kopf einen Vermerk nächstes mal mehr darauf zu achten und dann gehts weiter. Nein, bei uns sagt direkt der erste: Ich hatte aber keinen Schlüssel, der zweite sagt: ich war nicht der letzte und der dritte sagt: ich auch nicht, der war noch nach mir und ich wusste nicht, dass er keinen Schlüssel hat.

Nicht nur finde ich es kindisch, ich finde es auch noch tierisch anstrengend und abgesehen davon ist es nun wirklich nicht gut für ein Betriebsklima. Das Problem ist aber glaube ich garnicht, dass jeder den anderen die Schuld in die Schuhe schieben will, sondern genau anders herum, jeder fühlt sich angesprochen. Fast jeder ist überstresst so kurz vor Jahresende und jeder weiß, dass er momentan einfach weniger zuverlässig arbeitet, als er selbst gerne hätte. Nur sich diese Tatsache vor anderen Menschen, gerade vor Kollegen und Vorgesetzten einzugestehen ist einfach nochmal eine komplett andere Geschichte. Also statt selbst zu sagen; hey, ich weiß, ich bin momentan nicht ganz auf der Höhe, kann schon sein, dass ich acuh einen Fehler gemacht habe, ich werde darauf achten., fängt jeder an sich zu verteidigen. Vielleicht auch um sich selbst davon zu überzeugen dass er eben nicht überfordert ist, dass er die vielen Dinge, die er dieses Jahr hatte schaffen wollen und die vielleicht nicht ganz so geklappt haben wie erhofft eigentlich doch schaffen kann.

Frohes Neues Jahr.

 

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